Im sozialistischen Schulsystem erlebte sie Angst und Demütigung, heute schreibt sie darüber
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Caritas Führer, geborene Böttrich, wurde am 25. März 1957 in Chemnitz (damals Karl-Marx-Stadt) in der Deutschen Demokratischen Republik als Tochter des evangelisch-lutherischen Pfarrers Albert Böttrich und seiner Frau Annelies Böttrich geboren. Sie hatte vier ältere und ein jüngeres Geschwisterkind. Da sie kein Mitglied der Pionierorganisation und der FDJ (Freie Deutsche Jugend) war, konnte sie weder ihr Abitur ablegen noch studieren. Sie absolvierte vierjährige Ausbildung in dem „VEB Staatliche Porzellanmanufaktur in Meißen“ und wurde Porzellangestalterin/Bossiererin. Sie arbeitete bis 1980 in dem Unternehmen, dann widmete sie sich ein Jahr lang der Sozialarbeit mit Kindern in Zwickau, wo sie ihren zukünftigen Ehemann Dr. Michael Führer, damals den Studenten der Theologie, kennenlernte. In der Porzellanmanufaktur war sie Mitglied eines „Zirkels schreibender Arbeiter“. Über die kirchliche Gemeinde hatte sie auch Kontakte zu Gläubigen aus der BRD, ihre älteste Schwester emigrierte nach Schweden. In Leipzig absolvierte sie Fernstudium am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“. Der Großcousin ihres Mannes Christian Führer war Pfarrer in der Nikolaikirche in Leipzig, die in den 1980er Jahren zum zentralenTreffpunkt der oppositionellen Gruppen wurde. Sie bekam nach und nach zwei Söhne und hielt sich deshalb von den Demonstrationen fern. Im September 1989 zogen sie nach Zschopau im Erzgebirge, wo ihr Mann Pfarrer wurde. Dort erlebten sie die den Regimewechsel. Nach der Wende reisten sie viel, organisierten humanitäre Hilfe für Rumänien und adoptierten einen dritten Sohn. Sie begann ihre Texte zu veröffentlichen. In 1998 erschien ihr erstes Buch „Montagsangst“ über ihre Erlebnisse mit dem sozialistischen Schulsystem. Seit 2000 ist sie hauptberuflich als Schriftstellerin tätig. Im Jahr 2025 lebte sie in Dresden.