In der Uniform des Roten Kreuzes in der Prager Botschaft
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Gerhard Fink wurde am 22. Juli 1965 in einer kleinen westdeutschen Gemeinde nahe der luxemburgischen Grenze als Sohn eines Zollbeamten geboren. Die Grundschule und das Gymnasium absolvierte er jedoch in der Kleinstadt Euskirchen, wohin die Familie gezogen war. Nach dem Abitur wurde Gerhard Fink Steuerbeamter und trat im Rahmen seines Zivildienstes dem Deutschen Roten Kreuz bei. Die Existenz des Eisernen Vorhangs war für die Menschen im Westen im Alltag kaum spürbar, doch beim Roten Kreuz wurde er unter anderem auch für Kriegssituationen geschult. Kleinere Einsätze waren unbedeutend, doch sein Einsatz in der Botschaft der BRD in Prag im Herbst 1989 veränderte seine Sichtweise und sein Leben. Das Team aus Euskirchen wurde mit dem Transport und Betrieb einer dritten Feldküche beauftragt. Allein schon die Feldküche auf das Gelände der Botschaft zu bringen, wo sich bereits Scharen von ostdeutschen Flüchtlingen drängten, war nicht einfach. Es folgten 18-Stunden-Tage unter beengten Verhältnissen, keine Freizeit, Einsatz als Sanitäter nach der Rede von Bundesaußenminister Genscher, eine kurze Mittagspause nach der Abreise der ersten Flüchtlingswelle, weitere Arbeit bis zur Abreise der zweiten Flüchtlingswelle, Aufräumen des Botschaftsgeländes. Nach seiner Rückkehr nach Hause hatte Gerhard Fink keinen Urlaub und somit auch keine Zeit, über alles nachzudenken, aber als später die Berliner Mauer fiel, wurde ihm bewusst, dass er durch seinen Einsatz in der Botschaft in Prag zum Beginn des Zerfalls des Ostblocks beigetragen hatte. Später half er auch beim Wiederaufbau der ehemaligen DDR, wobei ihm seine Erfahrungen aus dem Prager Einsatz sehr zugute kamen. Er blieb beim Deutschen Roten Kreuz und engagierte sich politisch als Mitglied der SPD. Wenn er sich an bestimmte Erlebnisse aus seiner Zeit in der Botschaft in Prag erinnert, bekommt er auch nach 35 Jahren noch Gänsehaut.