Franz Seidl

* 1934

  • „Der Onkel Franz, der Bruder meiner Mutter, der den Bauernhof hatte, der abgebrannt war, wo wir im Keller waren dann, der ist verhaftet worden von den Tschechen, das muss im Juni-Juli 1945 gewesen sein, weil er Orstbauernführer war. Ortsbauernführer wurde einfach einer von den Nazis bestimmt, der musste dann aufpassen, dass so und so viel Milch und Butter abgeliefert wird, dass kein Schwein schwarz geschlachtet wird, das musste alles angemeldet werden, er musste für Ordnung sorgen. Aber das war kein Nazi, er hat nichts von Politik verstande, er war Bauer durch und durch, und diesen armen Onkel Franz haben die Tschechen verhaftet, ins Gefängnis nach Zwittau eingesperrt und dann kam er in das Gefängnis nach Mührau, Mírov, in Haná ist das. Dort hatte er eine ganz schwere Zeit, die Gefangenen mussten auf Betonboden ligen ohne richtiges Bett, ohne Decke, die haben gefroren und wurden geschunden. Den haben sie gesundheitlich so kaputt gemacht, er ist 1946 auch ausgewisen worden, als diese ganze Ausweisung, odsun, vor sich ging, aber dadurch, dass er gesundheitlich so kaputt gemacht wurde, ist er 1947, Anfang 1947 schon gestorben.“

  • „Sicher nicht so die materiellen Gegestände, wir haben uns in Würtemberg alles uns anschafen können, aber als Kind natürlich vermisste ich mein Spielzeug und Bücher natürlich, die ich gern gelesen hab, Jugendbücher, was ich halt sehr vermisse, was mir viel mehr bedeutet hat als materielle Gegenstände, ist die Landschaft. Also zum Beispiel die grosse Eiche, die direkt bei unserem Haus Stand, wurde leider gefällt, als dieser Bauernhof erweitert wurde. Ich habe mit meinem Grossvater viele Spaziergänge über die Felder gemacht, diese Strohhaufen im Herbst, das fehlt mir heute noch. Diese Verbundenheit zur Natur und zur Lanschaft, auch diese relativ raue Landschaft in der Hochebene von Zwittau. Ich mag sehr gerne frische Luft, wenn auch starker Wind weht. Ich fühle mich von Klima her wesentlich wohler in Zwittau als in Gmünd. Ich habe diese Klima lassen müssen, da würde ich gerne leben.“

  • „Wir sind losgefahren, wir haben in Zwittau noch diese Familie zugeladen, über die meine Mutter diesen Russenkontakt bekommen hat, eine Instalateurfamilie, und die Reise ging los Richtung Brünn. In Brünn kamen wir gegen Mitternacht an, und plötzlich bleibt dieser LKW in der Stadt stehen. Meine Eltern und auch die anderen haben furchtbare Angst bekommen, weil sie gehört hatten, es gab Russen, die haben sich die Geschenke geben lassen, sind ein Stück gefahren mit den Deutschen, und haben sie dann einfach runtergeschmissen vom Ladefläche, und sind davon. Aber das waren nicht unsere Russen. Die hatten einen Reifendeffekt, ein Reifen war kaputt. Jetzt war unglücklichwerweise das Ersatzrat unter den Kartoffeln. Ich weiss noch , wie meine Mutter und mein Vater erzählten, die Russen haben geschwitzt, da lief ihnen nur der Schweiss herunter, haben geschwindt diese Ersatzrat herausgeholt, und ein Russe hat zu meiner Mutter gesagt: Also wenn jetzt ein Polizeikontrolle kommt, ich sitze hinten mit meinem Gewehr , erschrecken sie nicht, ich werde in die Luft schiessen, und dann fährt der Fahrer weiter. Aber es kam keiner, es ging friedlich zu. Die haben den Reifen gewechselt und die Fahrt ging weiter. Vor der österreichischen Grenze kam noch male in Russe und hat gesagt: So jetzt kommt die Grenze, aber sie werden auf keinen Fall anhalten, wenn sie gestoppt werden, wieder wird der Kollege hinten schiessen und dann wird der Fahrer durchfahren, egal, ob die Schranke unten ist oder nicht. Und die Schranke war nicht unten, die war oben, wir haben nichts gemerkt, dass wir schon hinter der Grenze sind. Wahrscheinlich hatten meine Eltern immer noch Angst, aber wir waren schon in Österreich. Und morgens um fünf oder halb sechs waren wir in Wien. Wir sind ausgestiegen in der Innenstadt, standen auf dem Gehsteig. Gepäck hatten wir ja nicht. Meine Schwester war ja noch klein, die war fünf Jahre alt, fünf einhalb, die hatte so ein Fellsack, es war ja schon kalt im Oktober, und dann hatten wir noch so eine Art Kartoffelsack, da war etwas Brot drin und Speck, wir hatten alle warme Kleider an, aber mehr war nicht, mehr konnten wir nicht mitnehmen. Wir standen wir auf der Strasse und meine Elter sagen immer, sie waren so glücklich, dass sie in Freiheit waren.“

  • „Diese jungen Leute sind dann nach Zwittau gekommen und haben wohl gehört, dass in diesem grossen Haus und dem Bauunternehmen Gefangene geschunden wurden. Das war ein Kapitalist, der müsste zur Rechenschaft gezogen werden. Und zu diesem Zeitpunkt kam mein Vater nach Hause. Wahrscheinlich haben sie dann von den Nachbarn oder anderen Leuten erfahren - Jaja, das ist der Seidl, das ist der Bauunternehmer von hier, und die Partisanen mussten dann annehmen: Das ist dieser Nazi, der Gefangene und KZ-Leute geschunden hat. Der muss bestraft werden, der muss likvidiert werden, der muss zu Tode bestraft werden. Und so ging es auch. Also das was mich am meisten, also in mir steckt, ein sogenanntes Trauma, ist Folgendes: an einem Tag, es muss schon Mitte Juni 1945 gewesen sein, wir waren in unserem Haus in Zwittau, und es kamen diese Partisanen und haben nach meinem Vater gefragt. Und er war erst seit Kurzem da, seit wenigen Tagen, und haben gesagt: ‚Sie sind verhaftet‘, und haben direkt an Ort und Stelle meiner Mutter, die ja Tschechisch sprach: ‚Das ist der Kapitalist, der wird jetzt erschossen‘. Und ich stand dabei, ich stand neben meinem Vater, und habe das ja mitgekriegt. Der sollte abgeführt werden und sofort eschossen. Es war aber so - die Regelung war doch so, dass auch diese Partisanen ihn nicht sofort, also nicht an Ort und Stelle, erschiessen durfeten, sondern sie mussten ihm abführen zu dem Národní výbor. Ich weiss noch in welchem Haus das war. Und dort haben sie meinen Vater hingeschleppt und dort war ein Schnellgericht, und einer von den Richtern war ein Tscheche, ein ehemaliger Mitarbeiter von meinem Vater, Herr Huška. Und als der Huška sah, dass sie meinen Vater bringen, hat er sofort gesagt: ‚Den könnt ihr nicht erschiessen, das ist ein Antifaschist, der war doch gar nicht da. Das stimmt doch gar nicht, was sie behaupten.‘ Das hat er zu den Partisanen gesagt und hat es fertiggebracht, dass er auch gegen die Stimmen seiner Kollegen bewirkt hat, dass mein Vater nicht erschossen wird.“

  • „Das war etwa zwei, drei Kilometer in Lotschnau entfernt von uns. Es war ein schöner Vierkanthof. Mein Onkel hatte das Pech, dass in der letztern oder vorletzten Woche vor dem 9. Mai, vor dem Umsturz haben russische Tiefflieger den Hof beschossen, weil sie gesehen haben, dass dort auch deutsches Militär lagert, und der Hof ist total abgebrannt. Es waren ganz schwarze Ruinen, aber die Kellerräume waren noch intakt, in Ordnung, da konnte man noch hineinkriechen. Und als das so war, dass die Frauen nachts aus den Häusern geholt wurden, ist meine Mutter mit uns Kindern und mit meiner Tante, ihrer Schwester, zu dem Onkel Franz, dem Bauern, hingeflüchtet, in diese Keller, wo oben die abgebrannte Ruine war. Und da haben wir uns versteckt. Und nachts sind wir dann, gegenüber war das sogenannte Ausgedinge, also ein Haus, was heute noch steht, von meinem Grossvater, und da hat sich meine Mutter und meine Tante auf dem Dachboden versteckt. Es war dauerndes Verstecken und Verbergen.“

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    Olomouc, 13.09.2022

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    Olomouc, 14.09.2022

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Jsem navždy spjatý s drsnou přírodou Svitavské pahorkatiny

Franz Seidl, Olomouc, 2022
Franz Seidl, Olomouc, 2022
zdroj: Filming

Franz Seidl se narodil 21. prosince 1934 v Lačnově u Svitav do německé rodiny jako první dítě majitelů stavební firmy Franze a Emmy Seidlových. Matka perfektně ovládala češtinu, v jejich podniku pracovalo mnoho českých zaměstnanců. Otec nevstoupil do NSDAP, mimo jiné proto byl brzy odveden do wehrmachtu, který také zkonfiskoval nový automobil Opel Kapitän. Stavební firmu ovládla nacistická Organisation Todt. Malý Franz měl také mnoho kontaktů s češtinou a českými kamarády. Za války sice musel povinně chodit do Deutsches Jungvolk, ale příliš ho to neovlivnilo. Od roku 1943 v domě průběžně ubytovávali různé uprchlíky – nejprve z Lotyšska, později ze Slezska. Před koncem války byl zničen statek strýce, ten pak byl zajat a kvůli krutému zacházení ve vězení na Mírově si odnesl těžce podlomené zdraví. Často se museli schovávat, zejména po návratu otce v červnu 1945. Po opakovaném zatčení a propuštění otce se rozhodli podplatit sovětské vojáky, kteří je 28. října 1945 převezli náklaďákem do válkou poškozené Vídně. Po několika měsících ve Vídni se dostali do americké zóny do Lorchu u Schwäbisch Gmünd. Zde rodiče znovu vybudovali stavební firmu, dokonce pomohli 110 rodinám ze sovětské zóny dostat se do americké zóny. Podnik prosperoval až do roku 1976, kdy nastala stavební krize. Franz Seidl se stal také stavebním inženýrem, věnoval se zároveň studiu japonštiny a mnoha dalších jazyků, cestoval po celém světě. V roce 1971 se oženil s Johannou Gartner z Pasova, ale žili ve Schwäbisch Gmünd. V roce 2016 založil Franz Seidl s kolegou spolek Brücke nach Osten (Most na východ) a pořádal mnoho vzpomínkových přednášek ve školách v Schwäbisch Gmündu a okolí. Svůj domov stále nachází ve Svitavách, tamní svéráznou krajinu rád navštěvoval.